Ich habe lange geglaubt, ich mache alles richtig.
In Wahrheit habe ich mich vor etwas gedrückt: Fehlern.
Nicht bewusst. Eher wie ein System im Hintergrund, das mein Leben so organisiert hat, dass möglichst wenig schiefgehen konnte. Ich habe Dinge gewählt, die ich konnte. Ich habe mich in Bereichen bewegt, in denen ich sicher zu sein schien. Und eine Zeitlang fühlte sich das ziemlich gut an. Kontrollierbar. Fast richtig.
Aber unter der Oberfläche war etwas anderes: Stillstand. Ich bewegte mich, jedoch nicht vorwärts. Eher im Kreis – elegant vielleicht, aber immer am selben Punkt vorbei. Kein echtes Risiko, kein echtes Wachstum.
Und so blieb ich meiner Komfortzone treu. Denn dort passierten viel weniger Fehler. Und solange ich keine Fehler gemacht habe, musste ich mich auch nicht mit den Gefühlen auseinandersetzen, die danach kamen.
Denn das war das eigentliche Problem. Das, was ich danach fühlte. Scham. Angst. Frustration. Ein kleiner Fehler war nie nur ein Fehler. Er wurde sofort zu einem Urteil.
Meine Gedanken waren gnadenlos schnell:
- „Das hätte dir nicht passieren dürfen.“
- „Wie kannst du so unaufmerksam sein, wie konntest du das nicht wissen?“
- „Das sagt doch alles über dich aus, du bist nicht gut genug.“
- „Jetzt sehen es alle.“
Und plötzlich war ich nicht mehr jemand, der einen Fehler gemacht hat. Sondern ich war DER Fehler. Die Situation war kein Moment mehr, sondern ein Beweis für meine Unfähigkeit.
Also habe ich angefangen, Situationen zu vermeiden, in denen genau das passieren könnte.
Nicht offensichtlich. Sondern leise.
Nicht, indem ich besser geworden bin. Sondern indem ich Herausforderungen vermieden habe.
Nicht bewusst. Sondern wie ein inneres Ausweichen.
Ich habe mich zurückgehalten – nur um diese Gefühle nicht wieder erleben zu müssen. Meine Strategie war simpel: Wenn ich keine Fehler mache, muss ich mich auch nicht falsch fühlen. Aber der Preis war hoch. Ich habe nicht nur Fehler vermieden – sondern auch das echte Leben.
Lange habe ich versucht, das über „positives Denken“ zu lösen. Ich wollte mich beruhigen, mich weniger ernst nehmen, schneller loslassen. Aber nichts davon hat nachhaltig funktioniert. Weil ich am falschen Punkt angesetzt habe.
Der eigentliche Mechanismus dahinter.
Nicht der Fehler erzeugt unsere Gefühl. Sondern die Gedanken darüber – und die laufen automatisch und für uns völlig selbstverständlich.
Der Wendepunkt war also nicht, dass ich „lockerer“ geworden bin. Sondern, dass ich angefangen habe klarer zu denken. Nicht positiver. Sondern realistischer.
Zum Beispiel:
Aus: „Das hätte nicht passieren dürfen.“ wurde: „Es wäre besser gewesen, aber es ist passiert – ich kann es aushalten.“
Aus: „Ich bin nicht gut genug.“ wurde: „Ich habe hier einen Fehler gemacht und vielleicht sogar die Erwartungen anderer nicht erfüllt – aber das definiert mich nicht als Person.“
Das klingt klein. Aber für mich war das ein riesiger Unterschied. So konnte ich Dinge ausprobieren, ohne dass mein Selbstwert daran hing.
Heute mache ich immer noch Fehler. Aber ich lasse mich nicht durch diese blockieren. Dadurch verliere ich weniger Zeit im Grübeln. Ich komme schneller zurück ins Tun. Und ich halte mehr aus. Und vor allem: Ich traue mich wieder, Dinge zu tun, bei denen Fehler überhaupt erst möglich sind.
Früher dachte ich, Stärke bedeutet, Fehler zu vermeiden.
Heute weiß ich: Stärke bedeutet, sich selbst nicht zu verlieren, wenn sie passieren.
Wenn du also oft Dinge vermeidest, dich andauern überversicherst oder dich nach Fehlern stark abwertest:
Dann ist das kein Charakterproblem. Es ist ein Denkmuster. Und genau das kann man verändern.
Wenn du nicht nur lernen möchtest, dich selbst klarer zu sehen, sondern auch andere Menschen professionell auf diesem Weg zu begleiten, dann lohnt sich ein Blick in unsere Coaching-Ausbildung.
Mehr Informationen zur Ausbildung und zu nächsten Infoveranstaltung findest du hier.