Was wir über uns selbst nicht sehen – und wie wir es erkennen

KI verändert gerade die Art, wie wir denken, weil sie uns etwas ermöglicht, was wir allein nur schwer erreichen: Abstand zu unseren eigenen Gedanken nehmen. Genau darin liegt eine spannende Parallele zum Cognitive Coaching. Denn seit Jahrzehnten zeigt die kognitive Psychologie, dass unser größter Gegner selten die Realität ist – sondern die Art, wie wir sie interpretieren.

Wenn zwei Menschen dieselbe, identische Situation erleben, aber völlig unterschiedlich reagieren, zeigt es, dass unser Gehirn nicht objektiv arbeitet. Es ergänzt Lücken, bestätigt bestehende Überzeugungen und hält an vertrauten Gedanken fest. Das ist der Grund, warum wir häufig erstaunlich schlecht darin sind, unsere eigenen Gedanken kritisch zu hinterfragen. Was KI uns nun ermöglicht: Sobald wir einen Gedanken formulieren und nach außen bringen, verändert sich seine Verarbeitung. Plötzlich betrachten wir ihn nicht mehr ausschließlich von innen, sondern beginnen ihn von außen zu beobachten. Denn psychologische Distanz verändert, wie wir Informationen verarbeiten (Liberman & Trope, 2008). Auch die Metakognitionsforschung zeigt, wie wichtig die Fähigkeit ist, das eigene Denken bewusst zu beobachten und zu bewerten (Flavell, 1979; Fleming & Daw, 2017). Somit ist die eigentliche Stärke der KI nicht automatisch bessere Antworten zu generieren. Sie eröffnet uns viel mehr die Möglichkeit, bessere Fragen an unser eigenes Denken zu stellen.

Genau das macht Cognitive Coaching schon seit vielen Jahren

Für uns am Dr. Holzinger Institut ist das keine neue Entwicklung. Das Herzstück des Cognitive Coachings war schon immer die Metakognition. Flavell (1979) beschreibt Metakognition als die Fähigkeit, das eigene Denken bewusst wahrzunehmen, zu beobachten und zu steuern. Erst wenn Menschen ihr eigenes Denken zum Gegenstand der Reflexion machen, entsteht die Möglichkeit, es bewusst zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern. Deshalb schafft ein guter Cognitive Coach vor allem eines: Er erzeugt Abstand zwischen Mensch und Gedanke. Genau dieser Abstand macht blinde Flecken sichtbar. Ziel ist nicht, neue Überzeugungen einzupflanzen, sondern Täuschungen sichtbar zu machen und dadurch klareres Denken zu ermöglichen.

Achtung! KI ersetzt keinen guten Coach

KI kann helfen, Gedanken zu strukturieren. Sie kann kritische Fragen stellen und Perspektiven anbieten. Aber sie sieht nicht, was ein Mensch fühlt und welche Gefühle den Menschen daran hindern ins Tun zu kommen. Sie erkennt nicht, welche unbewussten Forderungen und Gedanken hinter einem Satz verborgen liegen. Und sie kann nicht entscheiden, welche Denkfehler für das Leid eines Menschen tatsächlich verantwortlich sind. Sie besitzt als Maschine eine natürliche Beobachterposition. Gleichzeitig fehlen ihr Erfahrung, Beziehung und menschliche Wahrnehmung. Darin liegt ihre größte Grenze.

Und genau deshalb gehört die Zukunft Menschen, die präzise und kritisch denken können

Die wichtigste Fähigkeit der kommenden Jahre wird wahrscheinlich nicht sein, bessere Prompts zu schreiben. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, eigenes kritisches Denken zu entwickeln – sowohl gegenüber den Antworten der KI als auch gegenüber den eigenen Gedanken. Wer lernt, seine eigenen Bewertungen kritisch zu hinterfrage, erkennt schneller Denkfehler, trifft bessere Entscheidungen und wird unabhängiger von Emotionen, Zufällen und äußeren Meinungen.

Genau dazu bilden wir Cognitive Coaches aus. In unserer Ausbildung lernst du nicht nur deine eigenen Gedanken zu hinterfragen, sondern auch, wie du Menschen dabei unterstützt, belastende Überzeugungen zu erkennen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen – wissenschaftlich fundiert, praxisnah und auf Basis der kognitiven Psychologie.

Wenn du diese Kompetenzen entwickeln möchtest, freuen wir uns darauf, dich bei unserem Info-Gespräch kennenzulernen.

Vereinbare deinen individuellen Beratungstermin und erfahre, ob die Ausbildung zu dir und deinen Zielen passt.

Flavell, J. H. (1979). Metacognition and Cognitive Monitoring: A New Area of Cognitive–Developmental Inquiry. American Psychologist, 34(10), 906–911.

Fleming, S. M., & Daw, N. D. (2017). Self-evaluation of decision-making: A general Bayesian framework for metacognitive computation. Psychological Review, 124(1), 91–114.

Liberman, N., & Trope, Y. (2008). The Psychology of Transcending the Here and Now. Science, 322(5905), 1201–1205.

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